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Teilhabe auf dem Papier reicht nicht

06.05.2017

Unter dem Motto "125 Jahre Kompetenz und Nächstenliebe" thematisierten Predigt und Redner beim Festakt am 5. Mai die Anfänge in der Heil- und Pflegeanstalt für epileptische Kinder 1892 und gingen auf aktuelle sozialpolitische Fragestellungen und Perspektiven der Arbeit ein

(fb) Das Bild vom guten Hirten stellte Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh in den Mittelpunkt seiner Predigt beim Festgottesdienst zum 125-jährigen Bestehen der Diakonie Kork. Vor Vertretern aus Politik, Kirche und Gesellschaft dankte er dabei besonders den Müttern und Vätern der Diakonie Kork: „Sie haben die Tür aufgemacht für all das, was sich weiter entwickelt hat: an beeindruckendem medizinischem Fortschritt, an sorgfältiger Begleitung der Familien, an Erweiterung der Arbeit im Blick auf Erwachsene“. „Wir freuen uns und hoffen darauf, dass noch viele Menschen in Not in der Diakonie Kork Gottes Segen erfahren“, so der Landesbischof.
Gerade jetzt, wo Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Ellenbogengesellschaft „aus ihren Löchern kommen“, so Cornelius-Bundschuh, setze die Diakonie Kork „ein mahnendes Zeichen gegen alle Versuche, Menschen nach Nützlichkeit auszusortieren“. Wo das Miteinander, wie in Kork, vom Geist der Barmherzigkeit geprägt sei, gehe es eben „nie nur um Fälle“, so der Landesbischof. „Es geht immer um einzigartige, unersetzliche Menschen – und um ihre Familien“. „Hirtinnen und Hirten zu sein und die Einzelnen im Blick zu haben, trotz und inmitten aller Fragen nach Wirtschaftlichkeit und Nützlichkeit“, betonte er. Dies sei Kern kirchlicher und diakonischer Arbeit. Er erinnerte auch an die Ermordung von 113 Bewohnerinnen und Bewohnern im Nationalsozialismus. „Wir haben uns als Kirchen nicht mutig genug dagegen gewehrt, das darf uns nie wieder passieren“, betonte der Landesbischof.
Anerkennend würdigte Bärbl Mielich, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg das Engagement der Diakonie Kork auf dem Gebiet der Inklusion. Die Rechte von Menschen mit Behinderung zu stärken, weg von der Fürsorge, hin zur gesellschaftlichen Teilhabe, werde in Kork vorbildlich geleitstet. Die hohe Kompetenz der Epilepsiekliniken strahle weit über das Land Baden-Württemberg hinaus. Die Anerkennung einer grenzüberschreitenden gemeinsamen Ausbildung stehe kurz vor dem Abschluss. Sie werde künftig einen Beitrag für die Gewinnung von Fachkräften auch aus dem benachbarten Elsass leisten.
„Teilhabe auf dem Papier reicht uns nicht“, so Marika Merkle, Vorsitzende des Bewohnerbeirats der Diakonie Kork. „Sie bedeutet nicht nur Barrierefreiheit sondern Begleitung durch Menschen.“
Der Landesverband der Epilepsieselbsthilfegruppen sandte ein Grußwort, in dem die erkrankte Vorsitzende Rosemarie Keller den tiefen Dank der epilepsiekranken Menschen aussprach. Im Epilepsiezentrum Kork fänden sie immer wieder kompetente Ansprechpartner und Begleitung. Das auf Tagungen und Seminaren erworbene Wissen tragen die „engagierten Fachlaien der Selbsthilfe“ in ihre Gruppen weiter. Da oft viele Jahre vergingen, bis Epilepsiekranke fachliche Hilfe erhielten, trat sie für den Aufbau eines Netzes von Epilepsie-Beratungsstellen ein.
In seinem Festvortrag „Von der Fürsorge zur Teilhabe“ skizzierte Uwe Mletzko, Vorsitzender des Bundesverbands evangelische Behindertenhilfe die historische Entwicklung und zeigte auf, wohin die Entwicklung gehe, wenn das Bundesteilhabegesetz seine Wirkung entfalte.
Vorstandsvorsitzender Frank Stefan stellte fest, dass Epilepsie keine Kette aus Krankheit und Vorurteilen mehr sei. „Diesen und jeglicher Begrenzung treten wir entschieden entgegen, weil wir christliche Nächstenliebe mit unserer Kompetenz verbinden, die uns anvertrauten Menschen ohne Barrieren gleich welcher Art am Leben teilhaben lassen.“

Musikalisch umrahmt wurde die Feier durch Bezirkskantorin Carola Maute (Orgel) und       Dr. Suzanne DaCosta-Kunz, Geige.

 

Projekte

Mailand-San Remo
für Kinder mit Epilepsie

Ein Patient der Epilepsieklinik für Kinder und Jugendliche dankt mit einer Spendenaktion für die erfolgreiche Behandlung.

Beratungsstellen

Das Epilepsiezentrum Kork trägt die EpilepsieBeratungsstelle in Kork mit einer Außenstelle in Karlsruhe.

Menschen ohne Lautsprache oder mit eingeschränkten Möglichkeiten zur Artikulation erhalten umfassende Beratung über technische und nicht technische Hilfsmittel in der Beratungsstelle "Unterstützte Kommunikation".

Hier gibt es Wissenswertes zur Krankheit "Epilepsie".

Modellprojekt Epilepsie

Das "Modellprojekt Epilepsie" unterstützt die berufliche Integration junger Menschen mit Epilepsie und weiteren Beeinträchtigungen.

mitMenschPreis

Das Projekt "zueinander-miteinander-füreinander" wurde mit dem mitMenschPreis ausgezeichnet und im Film dokumentiert.

 
 

 © Diakonie Kork