Helden-Pose als Symbol

Ich mag Symbole und Bilder sehr gerne. Sie lassen in uns schnell etwas entstehen, wozu sonst viele Worte nötig wären. Ich mag diese Bildsprache, weil sie im Grunde nicht übersetzt werden muss. Jeder Mensch verbindet etwas mit dem von ihm betrachteten Symbol oder Bild. Manche Bilder werden hierbei von den Betrachtenden identisch interpretiert, bei anderen treten Unterschiede auf – Variationen, welche die Fülle des menschlichen Erlebens verdeutlichen und auf die Biographie eines jeden Menschen hinweisen.

Mein GPA 23-26 Kurs hat heute (2. Juli 2026) die letzte schriftliche Prüfung abgelegt. Die Auszubildenden der generalistischen Pflege haben nun eine weitere, gemeinsame Erinnerung an ihre bisherige Zeit hier im Bildungsraum in Kork. Sie haben mir von ihrer Phase der Prüfungsvorbereitung berichtet und auch davon, wie sie sich fühlten, als dann die ersten Prüfungsfragen gelesen wurden.

Das Bild einer Heldin oder eines Helden begleitet mich schon seit langer Zeit. Ich empfinde es als ein sehr starkes Symbol, wenn Menschen in der Helden-Pose stehen.

In den zurückliegenden Jahren wurde diese Pose in vielen Teams wieder bewusst eingeübt, um den kurzen Moment des gemeinsamen Fokus und der Besinnung auf die eigene, innere Stärke zu signalisieren. Teams in hochspezialisierten Klinikabteilungen nutzen diesen Moment beispielsweise, ehe sie sich dann mit all ihrer Kraft um einen Menschen kümmern, der auf ihre Hilfe angewiesen ist.

Ich habe Hochachtung vor Menschen, die sich selbstlos für andere einsetzen.

Es würde auch am heutigen Tag wieder unzählig viele Gründe geben, die legitimieren, auf unsere Pflegepolitik sauer zu sein. Wir könnten über fehlende Kühlung in den Behandlungsräumen, Einrichtungszimmern oder Klassenzimmern schimpfen. Wir bekämen sicher viel Beifall, wenn wir heute durch eine Demonstration signalisieren würden, dass die finanziellen und personellen Kürzungen in der Pflege dazu führen werden, dass ganz bald keine Helferinnen oder Helfer mehr bereitstehen werden. Man würde uns glauben, wenn wir sagen würden, dass es keinen Grund mehr für eine Helden-Pose gibt, weil man sich schon so lange besiegt fühlt.

Mein Kurs nimmt diese Pose ein – gerade wegen all diesen Hintergründen… nicht aus Trotz, sondern aus Überzeugung, dass jeder für sich dennoch einen Unterschied machen kann.

Ich mag diese Pose und diesen Moment des Fokussierens. Ich habe Respekt vor den Wegen, welche unsere Auszubildenden bereits gegangen sind. Dankbar blicke ich auf die Wegstrecken, bei denen ich mitgenommen wurde und sie begleiten durfte. Wir haben schon gemeinsam Bilder und Symbole gesammelt.

Mit dem heutigen Abschluss der schriftlichen Prüfungen beginnt gleichzeitig das Vorbereiten auf die folgende praktische Überprüfung in den unterschiedlichen Versorgungsbereichen. Das Ende der schulischen Ausbildung bildet dann die mündliche Prüfung, welche im September bei uns im Bildungsraum stattfinden wird.

Den wertvollen Menschen aus Kurs GPA 23-26 wünsche ich, dass sie während ihren nächsten Schritten durch die Ausbildung, besonders viele positive Eindrücke und Begegnungen sammeln, damit sie nie mutlos werden.

Steffen Woideck (Kursleitung GPA23-26)